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MEDIENMITTEILUNG

Zürich, 21. September 2016

«1 Jahr NachtStadtrat Zürich in 7 Bildern»

Seit rund zwei Monaten werden die Nächte wieder länger und bald ist es Herbst. Das freut nicht nur die Indoor-Club- und -Bar-Betreiber, sondern auch uns, denn damit steht der NachtStadtrat mit der nachfolgenden Metapher nicht total im saisonalen Schilf:

Weltweit schiessen Nachtbürgermeisterinnen und Nachtbürgermeister fast wie Pilze aus dem Boden.

Das ist zwar ein Bisschen übertrieben formuliert, aber nach Amsterdam, Tokyo, Paris und weiteren Städten, vornehmlich in Holland und Frankreich, sind inzwischen in weiteren Metropolen wie London und Sydney ähnliche Amtsstellen entstanden.

In allen Städte, die einen Nightmayor haben, sind diese Ämter jeweils anders organisiert und mehr oder weniger offizialisiert. Das Einzigartige an Zürich ist, dass es keine Nachtbürgermeisterin, respektive keinen Nachtbürgermeister gibt, sondern, dass es ein mehrköpfiges Gremium ist – was der typisch schweizerischen Tradition entspringt, dass wir keine klassischen Präsidenten-Ämter kennen.

Deshalb hat Zürich einen NachtStadtrat und keinen Nightmayor.

Im ersten Jahr fanden viele informelle Treffen und Sitzungen statt. Der NachtStadtrat tastete sich in Aufgaben- und Themenfelder vor, die er wichtig findet oder an ihn herangetragen wurden. Diverse Male wurde er selber aktiv oder er wurde seitens der Stadtverwaltung beratend beigezogen. Aus diesen Unzähligen Sitzungen, Aktivitäten und Beratungsmandaten pickt der NachtStadtrat sieben heraus und erzählt kurz, was dahinter steckt (Hier nur kurz – mehr Infos und die Bilder dazu im PDF-Jahresbericht – siehe unten).

1. NachtStadtrat meets TagStadtrat
Im letzten Herbst wurde der NachtStadtrat von einer vierköpfigen Stadtrats-Delegation empfangen. Es war ein rein informeller Austausch. Die Stadträtinnen und Stadträte wollten die Menschen hinter dem NachtStadtrat kennenlernen und in Erfahrung bringen, was die Absichten und Ziele dieses Gremiums sind (mehr Infos dazu im PDF-Jahresbericht – siehe unten).

2. Offene Jugendarbeit 2.0
Die Jugend in Zürich hat ein Problem. Zuhause finden sie es oft langweilig oder nervig. In die Clubs kommen sie noch nicht rein. Und in den Bars können sie sich die Drinks nicht leisten und fühlen sie sich meistens nicht wohl. Deshalb hängen sie gerne im öffentlichen Raum ab. Aber auch dort sind sie selten geduldet (mehr Infos dazu im PDF-Jahresbericht – siehe unten).

3. Krieg der Kulturplakate
Für viele, nur beschränkt kommerziell orientierte Party- und Konzert-Veranstalterinnen und -Veranstalter gibt es keine Möglichkeit, im Stadtraum für eine Veranstaltung Werbung zu platzieren. Die Kleinplakat-Säulen sind schlicht zu teuer (CHF 10.- pro Plakat und Woche). Dies veranlasste den NachtStadtrat, zu handeln.  Leider ohne Erfolg (mehr Infos dazu im PDF-Jahresbericht – siehe unten).

4. Gelten im Kleinstadt-Jungle keine Regeln
Vor einem Jahr machte eine Facebook-Seite furore, die lustige Filmchen von der Langstrasse teilte. Die Seite fand eine grosse Resonanz und die Clips gingen zum Teil viral. Das Problem: In den Clips wurden oft betrunkene oder sonst wie berauschte Menschen unverpixelt blossgestellt und gewisse Posts hatten einen rassistischen oder sexistischen Unterton. Die Seite gibt es heute (so) nicht mehr (mehr Infos dazu im PDF-Jahresbericht – siehe unten).

5. Hot-Spot Langstrasse (ohne Ende?)
Die Gründung des NachtStadtrates fiel mit der öffentlichen Diskussion zusammen, die ein Zusammenschluss von Langstrassen-Anwohnerinnen und -Anwohner angestossen hat. Die Bewilligung einer Bar in einem Innenhof hat das Fass der Immissionen zum Überlaufen gebracht.
Bei der Ausarbeitung der verschiedenen «Lösungen» war der NachtStadtrat beteiligt und nicht mit allem zufrieden (mehr Infos dazu im PDF-Jahresbericht – siehe unten).

6. Internationale Vernetzung geglückt
Erstmals in der Geschichte der Nachtbürgermeister, die Ende des vergangenen Jahrhunderts in den Niederlanden ihren Ursprung hat, trat mit dem NachtStadtrat Zürich ein mehrköpfiges Gremium in die internationale Gemeinschaft der NightMayor ein. Und da wurde es auch mit offenen Armen empfangen (mehr Infos dazu im PDF-Jahresbericht – siehe unten).

7. Niederdorf, quo vadis?
Bezogen auf die gesamte Fläche der Stadt Zürich sind die Zonen, in denen die Bürgersteige um Mitternacht NICHT hochgeklappt werden, verschwindend klein. Zu den wenigen Hotspots zählt neben der Lang- und der Geroldstrasse einzig noch ein vergleichsweise kleiner Teil der Altstadt. Aber auch dieser Teil gerät in Bedrängnis (mehr Infos dazu im PDF-Jahresbericht – siehe unten).

SchlussBemerkungen
Wir haben uns zu Beginn einiges vorgenommen, das leider liegen geblieben ist (u.a. eine interaktive Karte zu den nächtlichen Lärmquellen der Stadt erstellen und ein Wiki zur Geschichte der Zürcher Clubkultur aufbauen). Nach ein paar Recherchen liegen diese Projekte jedoch eher auf Eis, als dass sie ganz gestorben sind.

Der NachtStadtrat besteht zwar aus wichtigen und sehr unterschiedlich positionierten und vernetzten Köpfen, aber der Frauen-Anteil ist nach wie vor zu klein, ebenso ist der Altersdurchschnitt eher zu hoch. Weil sich das Gremium selber ins Leben gerufen hat, steht es natürlich auch allen offen, die sich fürs Nachtleben engagieren möchte. Interessierte melden sich via info@nachtstadtratzuerich.ch

Jahresbericht (PDF): 1-jahr-nachtstadtrat-zuerich-in-7-bildern

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Medienmitteilung

Zürich, 6. August 2015

Die Stadt Zürich hat einen NachtStadtrat!

In den letzten rund sechs Monaten formierte sich im geheimen eine Zürcher Schattenregierung; der NachtStadtrat Zürich. Er vertritt die Anliegen des Lebens in der Stadt, wenn sie auf der Schattenseite der Erdkugel liegt.

Der NachtStadtrat Zürich ist ein unabhängiger Verein. Er startet als selbstkonstituiertes Gremium aus Exponentinnen und Exponenten des Zürcher Nachtlebens, in dem alle Mitglieder ehrenamtlich tätig sind. Es berät alle möglichen Facetten des Zürcher Nachtlebens und folgt keiner vorgegebenen Agenda. Traktandiert werden aktuelle mediale, politische und gesellschaftlich Brennpunkte des Nachtlebens; aber auch hinter- und untergründiges. Der NachtStadtrat ist offen für Inputs, grenzt sich jedoch ganz klar zu bestehenden Angeboten (Polizei, Stadtverwaltung, Branchenverbände, Anlaufstellen, etc.) ab. Ansprechpartner sind die Öffentlichkeit als Ganzes und alle Institutionen, bei denen das Nachtleben thematisiert wird; vom Partyvolk über die Quartiervereine bis zur Polizei.

Der NachtStadtrat Zürich setzt sich für die Anliegen des Nachtlebens ein. Dabei leiht er vor allem denjenigen seine Stimme, die im öffentlichen Diskurs kaum wahrgenommen werden. Wie in Debatten über Fussball- Fans, Jugendkriminalität und Ausländergruppen, werden auch beim Nachtleben sehr oft Einzelfälle zu allgemeinen Problemen hochstilisiert. Viel zu selten wird die soziale, kulturelle und ökonomische Relevanz des Zürcher Nachtlebens thematisiert.

Die Stadt Zürich braucht einen NachtStadtrat, weil, wie zum Beispiel die aktuelle Diskussion um die Langstrasse zeigt, das Nachtleben oft mit einem negativen Image zu kämpfen hat. Dabei ist die Stadt Zürich ohne attraktives Nachtleben schlicht nicht vorstellbar. Zürich hätte nie dieselbe regionale und globale Ausstrahlung, wenn sie nur eine Schlafstadt wäre, in der um 24 Uhr die Trottoire hochgeklappt würden.

Zürich ist schweizweit die erste Gemeinde mit einem solchen Gremium. Das Nachtbürgermeister-Konzept entstand in diversen niederländischen Städten und inzwischen hat auch Paris einen Nachtbürgermeister eingesetzt.

Die ersten Aufgaben sind:

1. Langstrasse
Aktive Teilnahme an den Diskussionen bezüglich Lärmklagen der Anwohner. Hier versucht der NachtStadtrat, die Anliegen des Partygängerinnen und -gänger einzubringen; vertritt jedoch unter anderem auch die Haltung, dass die Anwohnerinnen und Anwohner baulich vor dem Lärm geschützt werden sollten (z.B. Lärmschutzfenster).

2. Geschichte der Zürcher Clubkultur
Das Nachtleben prägte Zürich seit je her. Weil dies oft in Vergessenheit gerät, soll ein Wikipedia-Eintrag zum Zürcher Nachtleben entstehen, in dem anhand der vielen zum Teil in Vergessenheit geratenen bekannten Nachtlebenlokale die Wichtigkeit desselben herausgestrichen werden soll.

3. Lärmkarte
Der NachtStadtrat sucht institutionelle Partner (Uni, ZHaW, ETH, etc.), um eine (interaktive) Karte der nächtlichen Lärmquellen zu erstellen. Diese soll aufzeigen, dass es erstens nächtliche Lärmemissionen gibt, die akzeptierter sind (Kirchen, Strassen, Baustellen, etc.) und zweitens, dass Immobilienentwickler und Neuzuzügler bereits im Vorfeld darüber informiert werden, wenn sie in der Umgebung von bestehenden Nachtlokalen tätig werden oder leben möchten.

4. Diverses
a.) Kontaktaufnahme und Austausch mit Nachtbürgermeistern/Nightmayor aus anderen europ. Städten
b.) Teilnahme am Nightlife Round Table der Stadt Zürich
c.) Vernetzung/Austausch mit Streetwork, Präsidialdept., Taxibranche/Uber, öff. Nachtverkehr, Quartiervereine, Festivals (Stadtsommer, Streetparade, Zürifest, Caliente, etc.), UGZ, Hochbaudepartement, etc.

Presseanfragen:
Philipp Meier, info@nachtstadtratzuerich.ch, 079 230 93 22

PDF Medienmitteilung: Medienmitteilung_NachtStadtrat Zürich_6.8.2015